Händler und Produzenten
Mit dem Geistes- oder Kulturleben und dem Rechts- oder Staatsleben ist in der Gesellschaft nicht aller Zusammenhang beschrieben. Es muss ein weiteres Gebiet berücksichtigt werden, um den vollständigen sozialen Organismus vor Augen zu bekommen,- das Wirtschaftsleben.
Das Wirtschaftsleben umfasst alles das in der Gesellschaft, was produziert und konsumiert werden muss, um des Menschen Bedürfnisse zu befriedigen. Es handelt sich darin allgemein menschlich gesehen um die Aufgabe, möglichst jeden Mensch mit den Waren zu versorgen, die er für sein Leben braucht, ob es sich um Grundbedürfnisse handelt oder um solche, durch die der Mensch sich in seinem Interesse gesellschaftlich entfalten kann.
Es ist diese Aufgabe der Wirtschaft noch ganz unabhängig von der Sichtweise darüber, wie man sie lösen kann. Ob das eher durch Ideen von liberaler Seite oder von solchen der sozialistischen Seite, oder vielleicht durch welche eines ganz neuen Weges geschehen kann, ändert nichts an ihrer grundlegenden gesellschaftlichen Bedeutung.
Wenn man von dieser ursprünglichen Frage ausgeht diese Aufgabe zu lösen, kann man eine sinnvolle Umsetzung neu denken und die Irrtümer, die in den Einseitigkeiten die in der liberalen und der Sozialistischen Richtung liegen überwinden.
Fangen wir also bei dieser Frage an zu denken: Was ist in einem grundlegend freien Wirtschaftssystem, in dem jeder Mensch seine eigenen Geschäfte durch das zur Verfügung stehende Kapital machen kann, Voraussetzung dafür, dass die Waren in einer Weise verteilt werden, die dazu führt, dass jeder Mensch an das kommt was er auf Grund seiner Bedürfnisse braucht. Ist ein freies System dazu überhaupt in der Lage oder braucht es eine zentral gesteuerte Wirtschaftskapitalverwaltung dazu?
Einrichtungen für das Wirtschaftsleben
Der Wirtschaftskreislauf und sein Zusammenhang mit dem Menschen
Um auf Einrichtungen zu kommen, welche das Wirtschaftsleben brüderlicher gestalten können, soll zuerst auf den Prozess aufmerksam gemacht werden, welcher sich in demselben abspielt.
Mit welcher Aufgabe hat es das Wirtschaftsleben zutun?
Mit der Aufgabe des Menschen Bedürfnisse zu erfüllen. Es soll möglichst jeder Mensch an die Waren kommen können, welche er für sein Leben benötigt.
Wie kommt die Ware aber schließlich zum Konsumenten?
Man kann sich den allgemeinen Prozess, der sich im Wirtschaftsleben abspielt, in der folgenden Weise denken.
Es werden Rohstoffe aus der Natur entnommen und werden zur Ware verarbeitet. Hier haben wir die Warenproduktion, mit der es das Wirtschaftsleben auf der einen Seite zutun hat.
Die fertigen Waren müssen nun an den Ort gebracht werden, wo sie gebraucht werden. Diesen Vorgang kann man Warenzirkulation nennen.
Zum Schluss werden die Waren konsumiert und kommen auf diese Weise über kürzere oder längere Zeit wieder zur Natur zurück. Bei diesem Vorgang haben wir es allgemein gesagt mit dem Warenkonsum zutun.
Auf welche Weise steht aber jetzt der Mensch mit der Warenproduktion, der Warenzirkulation und dem Warenkonsum im Zusammenhang?
Der Mensch kann im Wirtschaftsleben drei Rollen annehmen, durch die er mit demselben verbunden ist. Er kann die Rolle des Produzenten annehmen, dann ist er in der Warenproduktion tätig, er kann die Rolle des Händlers annehmen, dann ist er damit beschäftigt, Märkte zu finden und die Ware an die entsprechenden Orten zu bringen. Das ist die Warenzirkulation. Und er nimmt notwendigerweise die Rolle des Konsumenten an, denn alle Menschen im sozialen Organismus sind Konsumenten.
Nun sind es auch diese drei Rollen, welche bei der Preisbildung für eine Ware eine Tendenz zu einem unterschiedlichen Interesse haben. Der Produzent hat die Tendenz dazu, seine produzierte Ware möglichst teuer zu verkaufen, der Konsument hat die Tendenz dazu, die Ware möglichst billig einkaufen zu wollen und der Händler steht in der Mitte dazwischen. Er möchte auf der einen Seite die Ware billig einkaufen und sie auf der anderen Seite möglichst teuer verkaufen. Diese drei Rollen stehen sich somit als wesenhaft für das Wirtschaftsleben gegenüber und weil das so ist, müssen diese Rollen bei der Einrichtung desselben auch maßgeblich berücksichtigt werden.
Wirtschaftsassoziationen
Assoziationen sind große Zusammenschlüsse von vielen Unternehmen unter sinnvollen Assoziationsbedingungen, in denen durch die Unternehmensvielfalt ein möglichst großes Warenangebot abgedeckt werden kann. Idealerweise ein solches Warenangebot, welches möglichst alle Bedürfnisse der Menschen, die in dem Gebiet der Assoziation leben, befriedigen kann.
Innerhalb solcher Assoziationen sollen Einrichtungen vorhanden sein, in denen die drei besprochenen Rollen, Produzenten, Händler und Konsumenten, ihren Interessen Geltung verschaffen können. Es soll dadurch innerhalb dieser Einrichtung ein reger Austausch zwischen diesen drei Interessengruppen entstehen können. Dadurch wird in solchen Assoziationen für jeden bewusst ersichtlich, wie sich das Warenangebot zum Warenbedarf der Konsumenten verhält und bei Knappheit bestimmter Waren kann durch Investitionen in die entsprechenden Bereiche, schnell für Verbesserung des Angebots gesorgt werden. Nicht wie oft in unserem Konkurrenz-Wirtschaftssystem würden möglichst viele Waren auf den Markt geworfen werden, um hohe Stückzahlen verkaufen zu können, sondern durch Einsicht aus den Verhältnis von Produzenten, Konsumenten und Händler würde die angemessene Menge an Waren in der angemessenen Qualität produziert werden können.
Es sind somit in solchen Assoziationen nicht nur die Firmen als solche miteinander assoziiert, sondern auch die Händler und Produzenten, welche in den Firmen tätig sind und die Konsumenten, deren Bedarf durch die Assoziation abgedeckt werden soll.
Es sollen solche Wirtschaftsassoziationen abgeschlossene Wirtschaftssysteme bilden, welche auch eine eigene Währung für den Tausch ihrer Waren verwenden. Dazu sollen diese Gebilde eigene Banken haben und eine zentrale Bank, welche die eigene Währung herausgibt. Auf diese Weise könnte man die Menge des vorhandenen Assoziationsgeldes ziemlich genau der Summe der Waren- und Anlagewerte, die sich in der Assoziation befinden, angleichen. Auf diese Weise bräuchte es keine merkliche Inflation oder Deflation mehr zu geben, da der Gesamtwert immer der Geldmenge entsprechen würde. Das Geld würde gedeckt sein von den in der Assoziation vorhandenen Anlagegütern und Waren, für die sie Tauschmittel ist. Würde aus der Einsicht aus den Wirtschaftstreffen von Händlern, Produzenten und Konsumenten die Notwendigkeit entstehen, die landwirtschaftliche Tätigkeit zu erweitern, weil das bisherige Angebot noch nicht reichen würde alle Konsumenten zu bedienen, so würde man z.B. nach Menschen suchen die sich der Landwirtschaft annehmen möchten, würde diese finanzieren, um z.B. einen Bauernhof aufbauen zu können und würde gleichzeitig den Geldwert der Assoziation dem veränderten Anlage- und Warenwert anpassen.
Man kann sich solche Assoziationen über größere Landgebiete ausgebreitet vorstellen. Die einzelnen Unternehmen wären so wie heute ganz in einem solchen Gebiet verteilt, würden aber in der Assoziationswährung miteinander handel treiben und die Menschen, welche in dem genannten Gebiet leben würden, wären naturgemäß die Konsumenten der Assoziation. Diese Zusammenschlüsse hätten die Vorteile von großen internationalen Konzernen in ihrer Kapitalmenge und damit in ihren Investitionsmöglichkeiten zu deren Weiterentwicklung, Vorteile durch Warenabnahme-Sicherheit und die Vorteile der Verbilligung durch Bestellungen in größeren Stückzahlen. Zudem hätten sie auch die Vorteile von kleinen Betrieben, da jedes einzelne Unternehmen innerhalb der Assoziation frei in seiner Initiative und Arbeitsorganisation bleiben würden, und somit innovativ und flexibel handeln könnte.
Mit solchen Assoziationen würde das Ideal der Brüderlichkeit im Wirtschaftsleben durch die Austauschforen für Händler, Produzenten und Konsumenten wieder Fuß fassen können. Es wäre eine Verbindung zwischen den wirtschaftenden Menschen in einer modernen Städtegesellschaft hergestellt, welche das Interesse an den Bedürfnissen des jeweils Anderen wieder ermöglichen